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30.11.2009 10:00 Ein enttäuschender Wahlsonntag #1
Als ich heute früh erfuhr, mit welcher Deutlichkeit die Anti-Minarett-Initiative angenommen wurde, konnte ich Mr. Spock sprichwörtlich vor mir sehen: "Faszinierend!". Eine Augenbraue hochgezogen, nachsinnend über die Undurchdringlichkeit des menschlichen Wesens.
Die Minarett-Frage hat mich mehr als interessiert. Längst ging es nicht mehr um die Sache und sowohl eine Annahme als auch eine Ablehnung der Initiative wurde zur reinen Symbolik, sekundär für wahrhaft Gläubige. Es fasziniert dass - eine der Interpretationen - dem Schweizer jede wirtschaftliche Konsequenz egal ist, wenn es darum geht zu beweisen, dass er sich weder erpressen noch manipulieren lässt.
Aber wieso um Gottes Namen wird dann das Verbot für Kriegsmaterialexport nicht angenommen? Hier ging es um unglaublich viel weniger Geld, Politik und Macht, als bei der Minarettfrage. Wir haben gezeigt, dass uns Geld und Macht nichts bedeutet, wenn es um unsere (Wahl-)Freiheit geht... und mit dem nächsten Wimpernschlag, dass uns aber das Leben und die Freiheit des unbekannten Mannes im Kongo egal ist, wenn wir daraus noch einen Fünfer ziehen können.
Ist das die Schweiz? ... und ein äusserst nachdenklich weiterschleichender Mr. Spock...
BrunoGeändert von Bruno Rotondi: 30.11.2009, 10:24 Uhr
Diskussion
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30.11.2009 11:05 Ein enttäuschender Wahlsonntag #2
Guten Morgen Mr: Bruno Spock,
kannst Du mir in ein paar Worten erklären, was "die Anti-Minarett-Initiative" ist?
fragende Grüße
LightPlanung ersetzt Zufall durch Irrtum. (A.Greve)
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30.11.2009 11:22 Ein enttäuschender Wahlsonntag #3
Lieber Bruno,
als ich von der Entscheidung hörte, dass das Minarett-Verbot bleibt, war ich sehr traurig. Meiner Meinung nach schiebt sich damit die Schweiz selbst ins intolerante Abseits.
Zwei unserer besten Freunde sind Schweizer. Der eine Freund war "gegen die Minarette" (um es mal so plump zu sagen), die Freundin war dafür, dass Moslems ihre Moscheen so bauen, wie es für sie richtig ist. Der Freund jubelt (was ich nicht verstehen kann, aber wir haben uns schon zu Beginn unserer Freundschaft vor vielen Jahren vorgenommen, nicht über Politik zu reden, dieses Thema ist zwischen uns tabu, es könnte unsere Freundschaft zerreissen, denn er ist extrem "rechts", ich würde mich selbst als Linksliberalen bezeichnen), und unsere Freundin ist total sauer, wütend, kann es kaum fassen...
Nein, manchmal verstehe ich Teile von Euch Schweizern nicht. Gestern z.B.
Liebe Grüsse
PeBu
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30.11.2009 13:21 Ein enttäuschender Wahlsonntag #4
Liebe Light
Kurz: Der Bau von Minaretten soll in der Schweiz verboten werden. Moscheen u.ä. sind nicht betroffen.
Wirklich interessant ist aber die lange Ausführung vom Entstehen der Idee über die verschiedene manipulative Argumente und Methoden beider Seiten bis hin zum Stimmresultat und dem, was der Einzelne damit eigentlich sagen wollte... Mehr vielleicht später. Das Thema wird auf verschiedensten Sites in allen Variationen gehandelt.
Besten Gruss
Bruno
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30.11.2009 19:50 Ein enttäuschender Wahlsonntag #5Gast
In Deutschland würde eine derartige Umfrage bzw. Abstimmung wohl ähnlich ausfallen. Das vorliegende Abstimmsergebnis lässt darauf schliessen, welch Unbehagen, teils Unwissenheit und Widerstand in der Bevölkerung tatsächlich existiert. Das zu ignorieren, halte ich für grundlegend falsch. Viel mehr sehe ich darin einen Ansatzpunkt und gleichzeitg eine Chance, woran angeknüpft werden kann, soll es in Richtung "Verständigung" gehen. Ich kann die Schweizer durchaus verstehen, die sich dagegen ausgesprochen haben, weitere Minarette zu bauen. Einfach abtun als eine Manifestation feindlicher Gesinnung gegenüber den Muslimen, wäre der falsche Weg. Vielleicht beginnt erst jetzt eine regere, offenere Diskussion, die die unterschwelligen wie offensichtlichen Meinungen/Haltungen aufgreift und in den Focus stellt.
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30.11.2009 21:10 Ein enttäuschender Wahlsonntag #6
Lieber Gast
Das sehe ich genau gleich. Die Initiative hat Diskussionsmaterial losgetreten, das gleich für mehrere Lawinen reicht. Für beide Seiten gilt es nun, die jeweils andere besser verstehen zu lernen um je den Teil zu lernen, der letzten Endes auch zu eigenen Einschränkungen führt. Wir werden sehen, ob bzw. wo das Interesse zu Austausch und Verständnis vorhanden ist...
Liebe Grüsse
Bruno
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30.11.2009 21:49 Ein enttäuschender Wahlsonntag #7
Soweit wie ich das von aussen sehe, hat eine bestimmte politische Partei, der leider Gottes auch mein Freund angehört, ganz tiefsitzende Ressentiments für ihre Zwecke genutzt. Ich kann das nicht so positiv wie "Gast" sehen.
Schönen Gruss und gute Nacht
PeBu
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30.11.2009 23:16 Ein enttäuschender Wahlsonntag #8
Lieber PeBu
So einfach ist es sicher nicht. Ich kenne einige Leute welche sehr schlecht auf die SVP zu sprechen sind, aber die Initiative dennoch unterstützten. Generell vermeide ich vereinfachende Wertungen, da sie den Blick vom wunden Punkt ablenken.
Ebenfalls eine gute Nacht!
Bruno
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01.12.2009 09:14 Ein enttäuschender Wahlsonntag #9
Lieber Bruno,
auch als Gegner einer Partei, kann man von deren Propaganda beeinflusst werden... Wie die SVP vorgegangen ist, weiss ich leider von meinem Freund nur allzu gut.
Natürlich war es nicht nur die SVP, aber die hat die "Mehrheit" gebracht. Zumindest sehe ich das so von aussen. Aber ich kann mich natürlich irren.
Liebe Grüsse
PeBu
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01.12.2009 09:45 Ein enttäuschender Wahlsonntag #10Gast
Guten Morgen in die Runde,
bei einer Umfrage per Internet (Abstimmung für oder gegen ein Minarettbauverbot), ergab sich folgendes: 68% waren gegen einen Bau von Minaretten. Das mag zwar nicht repräsentativ sein, zeigt jedoch, dass es auch hier in Deutschland Einwände - oder vorläufige Ablehnung - gibt. Ein Faktum - weder gut noch schlecht - sondern eine Tatsache, die akzeptiert werden muss. Damit setze man sich auseinander.
Die Reaktionen bzw. Stimmen, die aus den verschiedenen politischen Parteien stammen, sind teilweise tendenziös bedenklich wie destruktiv oder gar irreführend. Das finde ich sehr schade, da gerade dadurch Stimmung gemacht wird und keine Aufklärung entsteht, um was es geht. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es innerhalb Europas bzw. in Deutschland, vielen Muslimen die Ausübung ihrer Religion leichter gemacht wird, als im Herkunftsland selbst. In Deutschland geniessen alle Religionsgemeinschaften ein "garantiertes Recht und Schutz auf Ausübung ihrer Religion". Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, eine europäische Bauform von Moscheen und Minaretten zu finden/zu entwickeln, die sich in die Architektur und Gesellschaft Europas integriert -, ohne dabei die Identiät zu verlieren.




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